Einsamer nie - als am Samstagabend


Einsamer nie -
als am Samstagabend

(Gottfried Gernhardt)

Wenn mit großen Feuerwerken
die roten und die goldenen Brände
Bürger froh das Dunkel feiern,
Erfüllungsstunde - im Gelände,
sich an Bier und Fleischwurst stärken
im Weingeruch, im Rausch der Dinge –
und in die Rabatten reihern,
doch wo ist deiner Gärten Lust?

Wenn dann in zu lauten Räumen
Wo alles sich durch Glück beweist
viele Menschen sich bewegen
im Weingeruch, im Rausch der Dinge -
und beim Lärmen davon träumen,
und tauscht den Blick
stumm einander flachzulegen,
und tauscht die Ringe

Wenn am Ende Franz und Frieda
Wo alles sich durch Glück beweist
glücklich in der Falle liegen -:
und tauscht den Blick und tauscht die Ringe
Wer gedenkt dann jener, die da
dienst du dem Gegenglück,
noch eins in die Fresse kriegen?
dem Geist.

8.10.05 16:46, kommentieren

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Weißmieshütte

Bekomme ich es noch zusammen, das Gedicht, das auf der Toilette der Weißmieshütte zum sparsamen Gebrauch des Klopapiers aufruft? Es ging ungefähr so:
Gebrauche sparsam das Papier,
nimm es nicht mit dir, lass es hier.
Entfremde es nicht seinem Zweck,
denn jeder braucht's für seinen D....

Die drei Punkte hinter dem "D" hatte eine mitfühlende Seele durch "intern" ersetzt.

Gerne erinnere ich mich auch an ein Gedicht, das in den 1970er Jahren in einer Pommesbude meiner Heimatstadt zu lesen war:
Iss und trink, solang dir's schmeckt,
schon zweimal ist das Geld verreckt.

29.9.05 06:17, kommentieren

Gemeinsamkeit

Was haben diese drei Dinge gemeinsam: die Scheune, der Platz und der Schwiegersohn?

8.10.05 17:19, kommentieren

Fleischwurst? Bratwurst!

Samstagabendfieber
(von Robert Gernhardt)

Wenn mit großen Feuerwerken
Bürger froh das Dunkel feiern,
sich an Bier und Fleischwurst stärken
und in die Rabatten reihern,

Wenn sie in den Handschuhfächern
kundig nach Kondomen tasten,
und die breiten Autos blechern
stahlend ineinanderhasten,

Wenn in Häusern bunte Schatten
herrlich aufeinander schießen,
sich verprügeln, sich begatten,
bis die letzten Kinos schließen,

Wenn dann in zu lauten Räumen
viele Menschen sich bewegen
und beim Lärmen davon träumen,
stumm einander flachzulegen,

Wenn am Ende Franz und Frieda
glücklich in der Falle liegen -:
Wer gedenkt dann jener, die da
noch eins in die Fresse kriegen?

Ein stimmungsvolles Gedicht. Leider hat es einen Fehler: Statt "Fleischwurst" müsste es "Bratwurst" heißen. Zum Bier isst der Bürger Bratwurst. Das resultierende Alliterationspaar "Bier und Bratwurst" korrespondiert wunderbar mit der schon klassischen Wendung "in die Rabatten reihern". Damit bringt die erste Strophe das Thema "erst feiern, dann reihern" eindrucksvoll auf den Punkt und bildet ein würdiges Pendant der letzten Strophe, die mit ihrem starken Alliterationsdreieck aus "Franz", "Frieda" und "Fresse" dem Thema "hie wird gebügelt, da verprügelt" verbindlichen Ausdruck gibt.

So gibt die Bratwurst dem ganzen Gedicht Geschlossenheit und Kraft. Wundert mich, dass Herr Gernhardt das nicht gesehen hat.

29.9.05 06:06, kommentieren